Vom beschaulichen Inseldorf zur angesagten Urlaubsinsel
Die größte der sieben Ostfriesischen Inseln feiert 2025 ihren 175-jährigen Status als Nordseeheilbad. Das beliebte Urlaubsreiseziel für jährlich mehr als 300.000 Übernachtungsgäste aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland, hat eine bewegende aber auch zugleich beeindruckende Geschichte hinter sich.
Vor genau 175 Jahren wurde auf Initiative des damals auf der Nordseeinsel Borkum tätigen Landchirurgen Ferdinand Friedrich Rohde die erste Badeliste ins Leben gerufen, auf der man die Gästezahlen fortan genau registrierte. Diese Einführung im Jahre 1850 markiert für viele den eigentlichen Beginn der Geschichte Borkums als Nordseeheilbad.
Bereits in den 1830er-Jahren kamen die ersten Sommergäste, die hier zunächst gegen Bezahlung in den spärlichen Häusern der Insulaner unterkamen. Das Verhältnis zwischen Gästen und Insulanern, die sich infolge des alljährlichen Kuraufenthaltes gegenseitig fast alle kannten, war damals noch ein sehr persönliches. Die Gäste gehörten „mit zur Familie“, wie man auf der Insel sagte. Ein aufmerksamer Besucher schilderte das damalige Badeleben mit folgenden Worten: „Der Fremde wanderte zu jeder Tageszeit im Schlafrock und Pantoffeln mit der Pfeife durchs Dorf, ohne mit irgendwelcher Etikette in Konflikt zu geraten.“
Gesundheitsförderndes Klima
Doch Ruhe und Erholung sollten nicht die einzigen Aushängeschilder Borkums bleiben. Denn schon bald sorgten der ab 1839 auf der Insel stationierte Landchirurg Johann Georg Friedrich Ripking sowie sein Nachfolger Ferdinand Friedrich Rohde mit positiven Berichten und viel Enthusiasmus dafür, dass die größte Ostfriesische Insel auch für ihr gesundheitsförderndes Klima bekannt wurde.
So zeigten sich die beiden Ärzte beeindruckt vom Gesundheitszustand der Insulaner und erkannten, dass dieser wohl unter anderem auf die Wirkung des hiesigen Seeklimas zurückzuführen sei. Nicht zuletzt führte dieses aktive Werben dazu, dass immer mehr Kurgäste Borkum besuchten, die hier „ihre verlorene Gesundheit restaurieren“ wollten. 1850 schließlich wurde durch Rohde die erste Badeliste ins Leben gerufen, auf der man die Gästezahlen fortan genau registrierte –die Grundlage für den Status eines Nordseeheilbades.
Vereinfachte Anreisemöglichkeiten
Wurden im Jahr 1850 noch 252 Gäste erfasst, sollte diese Zahl in den darauffolgenden Jahrzehnten kontinuierlich steigen. Das lag zum einen an der zunehmenden Entstehung von Hotels, Ferienunterkünften und der Gastronomie – und zum anderen an den immer besser werdenden Anreisemöglichkeiten durch die 1856 erfolgte Inbetriebnahme der Hannoverschen Westbahn von Rheine nach Emden, welche es auch immer mehr Gästen aus Westfalen und dem Rheinland erlaubte, anzureisen. Das sollte sich übrigens im Jahre 1888 nochmals verbessern.
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Mussten Gäste bis dahin noch in der Höhe des Südstrandes von den dort ankernden Dampfschiffen auf kleine Boote umsteigen, um zu den im flachen Wasser wartenden Pferdekutschen zu gelangen, die sie schließlich in den Ort brachten, erwarteten sie fortan geradezu luxuriöse Bedingungen. Denn dank des Baus des Reededamms, einer gezeitenunabhängigen Anlegestelle sowie der Inbetriebnahme der Inselbahn konnten Gäste ihr Reiseziel seitdem weitaus bequemer erreichen. Und so wundert es auch nicht, dass im Jahre 1890 bereits 6.121 und zehn Jahre später sogar rund 16.000 Erholungssuchende nach Borkum kamen.
Touristische Attraktionen
Darüber hinaus war auch die Schaffung touristischer Attraktionen verantwortlich dafür, dass Borkum als Reiseziel immer angesagter wurde. So legte die 1861 gegründete Badekommission – Vorgängerin der heutigen Nordseeheilbad Borkum GmbH – einst den Grundstein dafür, dass es den Badegästen hier niemals langweilig wird. Dem Charakter eines Seebades entsprechend war es die vordringlichste Aufgabe der Badekommission, das Baden im Meer zu ermöglichen. Folglich ließ sie Badekarren und Strandkörbe aufstellen, sorgte mit Rettungsschwimmern für die Badesicherheit, errichtete Milchbuden für die Versorgung der Strandgäste und förderte Bewegungsangebote wie zum Beispiel Strandanimation und Wassersport.
Die Badekommission beziehungsweise die Nordseeheilbad Borkum GmbH schaffte im Laufe der Zeit zudem viele ansprechende touristische Angebote, die dazu beigetragen haben, dass immer mehr Gäste auf die Insel kamen. Dazu gehören
- die Errichtung der Warmwasser-Badeanstalt im Jahre 1875, aus der schließlich die Wellness- und Erlebnis-Attraktion Gezeitenland hervorgegangen ist.
- der Bau von Wandelhalle und Promenade, die noch heute zum Flanieren, Verweilen und Tanzen einladen
- die Schaffung des Musikpavillons samt der Organisation der Auftritte von Ensembles und Bands
- die Eröffnung der Kulturinsel, in der regelmäßig kunterbunte Veranstaltungen mit hochkarätigen Künstlerinnen und Künstlern stattfinden
- die Spielinsel, in der sich die jüngsten Gäste richtig austoben können
- der Betrieb des sanierten Nordsee Aquariums, in dem Besuchende faszinierende Lebewesen der Unterwasserwelt rund um Borkum kennenlernen können.
Diese und weitere Attraktionen sorgen neben dem gesunden Hochseeklima dafür, dass heute mittlerweile jährlich mehr als 300.000 Gäste auf die Insel strömen.
Kunterbunte Veranstaltungen
Und diesen bieten sich nicht nur touristische Attraktionen, sondern selbstverständlich auch viele ansprechende Events, die keinerlei Wünsche offenlassen. Vom „Musik & Meer“-Programm, in dessen Rahmen seit April bis Oktober unterschiedliche Bands für schwingende Tanzbeine auf der Promenade sorgen, über Wein- und Straßenfeste bis hin zu den vom 8. bis 11. August 2025 stattfindenden Beach Days Borkum, die mit spektakulären Beachvolleyballturnieren und Auftritten von angesagten Popstars jedes Jahr aufs Neue für große Furore sorgen – der Veranstaltungskalender ist breit gefächert und verspricht über das gesamte Jahr verteilt unvergessliche Erlebnisse.
Da das Nordseeheilbad Borkum sein 175-jähriges Jubiläum feiert, dürfen sich Gäste und Insulaner 2025 auf viele weitere interessante Veranstaltungen und Aktionen freuen.
Mehr Informationen dazu finden sich hier: www.borkum.de/175Jahre.